Licht im Rahmen zeitgenössischer Forschung (2015)
"Die Ausstellung bringt Kunst und Wissenschaft auf eine Wellenlänge. Im Jahr des Lichts präsentieren ETH und UZH 14 Forschungsprojekte von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die zu Licht forschen.

Das Spektrum der Forschungsprojekte ist sehr breit: So entwerfen z.B. Physiker mit künstlichen Lichtkristallen Materialien der Zukunft. Biologen erforschen die Kommunikation von Pflanzen oder Klimatologen untersuchen, ob das vermehrte Auftreten von Russ- oder Staubpartikeln zu einer globalen Verdunkelung führt.

Solche Forschungsvorhaben sind schwierig zu visualisieren. Wir haben fünf Schweizer Fotografinnen und Fotografen eingeladen, die Herausforderung anzunehmen und die Forschungsarbeiten in Absprache mit den Wissenschaftlern künstlerisch umzusetzen."
Quelle

Ausstellungsansicht während der Scientifica 2015, ETH Hauptgebäude, Zürich

"Filmgeschichte Remastered" von Dr. Franziska Heller, Filmwissenschaftlerin
Alte Filme in neuem Glanz – digital bearbeitet und schöner als je zuvor. Kaum eine Blu-ray-Disc- oder DVD-Edition kommt heute ohne das Label «Remastered» aus. Doch hinter diesem Label verbirgt sich kein eindeutig definierter, technisch standardisierter Prozess, sondern ein komplexes Netz kulturpolitischer und ökonomischer Praxen mit gravierenden Konsequenzen für unsere mediatisierte Vorstellung von Vergangenheit – insbesondere auch, wenn es um die Restaurierungen von Spielfilmen geht, die sich ins kulturelle Gedächtnis eingeschrieben haben. Das Habilitations-Projekt untersucht die Frage, wie die Transition von analoger Filmtechnik in die digitale Domäne unser mediales Erleben von (Medien-)Geschichte prägt.

Fotografiert von Samuel Rauber
Samuel Rauber vermischt in seiner Fotografie qualitativ disparate Versionen ein und desselben Bildes der Blu-Ray Edition von «Die Reise zum Mond» und zeigt auf, wie relativ der Begriff der Bildqualität heute ist. «Blu-Ray», «UHD» und «4K» versprechen eine Qualität des digitalen Bewegtbilds, die für den Betrachter - wenn überhaupt - nur noch im direkten Vergleich ersichtlich wird, sich aber weit vom analogen «Original» entfernt hat.

"Sonnenblumenkonzentrator" von Max Schmitz, Maschinenbauer:
Mithilfe eines Sonnenblumenähnlichen Spiegels konzentrieren wir Sonnenlicht 1‘500-fach auf eine Gruppe von hocheffizienten Solarzellen. So können wir einen doppelt so grossen Anteil der Sonnenenergie direkt zur Stromerzeugung nutzen als mit herkömmlichen Solarpanels. Zusätzlich wird die in den Zellen entstehende Hitze zurückgewonnen und für Sekundäranwendungen wie Meerwasserentsalzung, Klimaanlagen und Prozesswärme zur Verfügung gestellt, sodass ein noch grösserer Anteil der Sonnenkraft verwertet wird. Der Konzentrator selbst besteht vorwiegend aus Beton, der nachhaltig und kostengünstig mit lokalen Materialien und Arbeitskräften hergestellt werden kann. Diese Voraussetzungen werden es erlauben, an fast allen Orten der Welt effizient und umweltfreundlich Energie zu erzeugen.

Fotografiert von Samuel Rauber
Anders als beim Forschungsprojekt, welches sich mit der Bündelung von Lichtenergie beschäftigt, richtet sich Samuel Raubers Lichtquelle hier nicht auf einen zentralen Punkt. Über mehrere Spiegelungen hinweg verliert sich ein starker Lichtstrahl in die Dunkelheit.

"Geknickt und Ausgeleuchtet" von Christian Vogt, Elektrotechniker
Magnetresonanztomographie (MRT) erlaubt einen Blick in das Innere unseres Körpers. Dieser Blick wird durch ein Magnetfeld, 100‘000-mal stärker als das der Erde, zusammen mit einer fein abgestimmten Choreographie aus sich ändernden Magnet- und Funkfeldern ermöglicht. Um die Bildqualität zu verbessern und den Komfort des Patienten während einer Bildaufnahme zu erhöhen, entwickeln wir eine elektronische Bandage (smart textile), die vor der MRT-Aufnahme über das Knie gezogen wird (WearableMRI). Sie erlaubt es, die MRT-Signale mit hoher Qualität zu messen, in Licht umzuwandeln und über ein Glasfaserkabel störungssicher zu übertragen. Dadurch kann das Innere des Knies sichtbar gemacht werden und die entstandene Bewegungsfreiheit des Patienten erlaubt neue Perspektiven, auch in ein angewinkeltes Knie.

Fotografiert von Samuel Rauber
Ausgehend von der Idee eines flexiblen MRT-Wearables baute Samuel Rauber ein mit Licht durchdrungenes, futuristisch anmutendes Objekt, das erst auf den zweiten Blick Details seiner Konstruktion offenbart. Die Zukunftsvision einer makellosen Prothese treffen hier auf profane Bastelei.